Summer of Pioneers in Altena

Die Idee

Südwestfalen sieht seine Zukunft in der Kooperation und dem Miteinander. Mit ungewöhnlichem Gemeinsinn arbeiten hier Menschen aus allen Ecken der Region zusammen für ein Ziel: Neues Leben auf dem Land. Südwestfalen zählt zu den umsatzstärksten ländlichen Gebieten Deutschlands, 150 Weltmarkführer liegen versteckt in der waldreichen Hügellandschaft. Produzierendes Gewerbe, Stahl & Automotive haben der Region Wohlstand gebracht – schon seit einiger Zeit aber geraten diese Branchen unter Druck. Und Altena? Die Stadt an der Lenne war bis 1980 eine Gelddruckmaschine. Sprichwörtlich. Denn in Altena wurden Rohlinge für die D-Mark hergestellt. Seitdem die Maschinen ruhen, steht die Brache am Schwarzenstein stellvertretend für die drängendste Frage der Region: Welche Zukunft steht uns offen? Weil die Bürgerschaft Humanität bewies und weit mehr Geflüchtete aufnahm als andere Kommunen, wurde Altena die “Hauptstadt der Mutbürger”. Diversity gibts nur in der Stadt? 2021 öffnet Altena seine Arme mit dem Summer of Pioneers für Menschen, die gemeinsam eine solidarische, progressive und nachhaltige Zukunft auf dem Land gestalten wollen.

Summer of Pioneers in Altena

Wir suchen 20 Digitalarbeiter*innen und ortsunabhängige Kreative aus allen Teilen Deutschlands, die das Landleben auf Zeit testen wollen. Menschen also, die für ihre Arbeit nur einen schnellen Internetzugang benötigen und die Natur inspirierender finden, als Hochhausschluchten. Vom 01. Mai bis 31. Oktober 2021 bieten wir euch in Altena ein Rundum-Sorglos-Paket, bestehend aus einer möblierten Wohnung mit Internet, sowie kostenlosem Zugang zu einem eigens dafür eingerichteten Coworking Space.

Hintergrund

Ein erster Summer of Pioneers fand 2019 und 2020 im brandenburgischen Wittenberge statt und sorgte für große Aufmerksamkeit in Medien und Politik. Das Projekt wurde vom Bundesinnenministerium im Rahmen des Wettbewerbs „Menschen und Erfolge“ ausgezeichnet. Selbst die BBC kam zu Besuch. Der als Experiment gestartete Summer of Pioneers ist für Stadt und Pioniere ein voller Erfolg. Nach Verlängerung um weitere 6 Monate blieben die Hälfte der Pioniere in Wittenberge wohnen. Sie gründeten dort Unternehmen, arbeiten als Selbstständige oder betreiben den selbst gegründeten Kultur- und Begegnungsort “Safari”.

Fast zeitgleich zum Summer of Pioneers in Altena wird auch im nordhessischen Homberg (Efze) ein Summer of Pioneers stattfinden. Beide Projekte werden von uns verzahnt, um eine noch größere Community der Pioniere zu fördern.

Mehr über den Summer of Pioneers in Wittenberge:

Miteinander Zukunft gestalten

Für die Gastfreundschaft Altenas steht ihre Burg, in der schon 1914 die erste Jugendherberge der Welt eingerichtet wurde. Und auch die Burg Holtzbrinck im Stadtzentrum steht für Begegnung: Die Räume sind denen gewidmet, die sich für die Zukunft der Region stark machen. Und das sind hier besonders viele: Von den 1,4 Millionen Einwohnern Südwestfalens sind ca. 700.000 ehrenamtlich engagiert, deutlich mehr als andernorts.

Dabei beherbergt Südwestfalen Menschen unterschiedlichen Schlags: Zwischen Soest im Norden und Siegen im Süden liegen unzählige Hügel, die die Landschaft gliedern aber die Menschen und ihre geografischen Bezüge zergliedern. Fünf Kreise arbeiten an einer gemeinsamen Ausrichtung, um das Wir-Gefühl in der größten Naturpark-Region Deutschlands zu stärken.

Die Region erkannte die Vielfalt als Zukunftschance und die Vernetzung untereinander als bestes Mittel gegen die Abwanderung, die seit dem Rückgang der alternden Metallindustrien anhält. Altena gilt heute als die Stadt mit dem schnellsten Bevölkerungsrückgang in NRW. 1970 lebten hier 32.000 Menschen, jetzt sind es noch knapp 17.000. Um gegenzuhalten bietet z.B. die Altenaer Baugesellschaft frisch sanierte Wohnungen um 5,60 Euro pro Quadratmeter an.

2030 soll Südwestfalen bundesweit bekannt sein für kooperatives Miteinander bei der Zukunftsgestaltung und der Summer of Pioneers passt zu dieser Ambition.

Die Schwarzenstein-Brache

Am Schwarzenstein in Altena hat die Verhüttung von Metall eine lange und spannende Geschichte. Gustav Selve, einer der seinerzeit bedeutendsten Industriellen Deutschlands, kam 1859 nach Altena und schaffte am Schwarzenstein Arbeit für ein Fünftel der Altenaer.

Selve gilt als einer der Wegbegleiter der modernen Sozialversicherung und engagierte sich für die Bekämpfung der Tuberkulose und den Bau einer Lungenheilstätte. Sein Werk am Schwarzenstein allerdings ist als “Dreckschleuder” in die Geschichte der Stadt eingegangen, weil seine schwefelhaltigen Emissionen Landwirtschaft und Gartenbau in der Umgebung gefährdeten. Das brachte die Bürger Altenas gegen Selve auf; nach mehreren öffentlichen Auseinandersetzungen mit den Altenaern verließ er die Stadt und starb 1909 in Bonn.

Am Schwarzenstein ging die Geschichte aber weiter. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts erlebte das Werk einen großen Aufschwung, weil man hier auf die Herstellung von Rohlingen für Münzen spezialisiert war. Durch die Neuordnung des Münzwesens im Deutschen Reich und später durch die Einführung der D-Mark war das Werk gefragt. Erst die Inflation nach dem Zweiten Weltkrieg stoppte die Expansion.

Seit 1980 steht hier alles still und die Stadt Altena hat die Brache Schwarzenstein 2018 für einen Euro gekauft, um aus dem verfallenden Areal mit 34.000 Quadratmetern Fläche, das in einem YouTube-Video mit düsterer Musikuntermalung gezeigt wird, einen Ort der Zukunft der Stadt zu entwickeln.

2021 habt ihr als Pioniere die einmalige Chance, die Nachnutzung für Schwarzenstein zu prägen und gemeinsam mit den Menschen vor Ort ein neues Kapitel in der Stadtentwicklung einzuläuten.

Der Standort

Über 60 Prozent der Stadtfläche Altenas ist bewaldet, 366 Meter Höhendifferenz liegen zwischen der Lenne, die durch das Tal mäandert und den Kämmen der Hügel, die über den Horizont fließen. Das Sauerland z.B. ist berühmt für seine Landschaft und dient Menschen aus allen Himmelsrichtungen als Erholungs- und Urlaubsziel.

Anrainer sind die Metropolregionen an Rhein und Ruhr im Norden und Westen. Im Süden und Osten werden die Entfernungen größer und die Verbindungen gemächlicher. Südwestfalen wird kaum von ICE-Trassen und Autobahnen zerschnitten, zwischen seinen 59 vorwiegend kleinen Städten und Gemeinden mobil zu sein, erfordert im Vergleich zum nahen Ruhrgebiet Geduld. Dafür bekommt man etwas anderes geschenkt: Ruhe. Neue Verbindungen schafft außerdem die Digitalisierung: Als einziges Modellvorhaben in ganz Deutschland erprobt Südwestfalen einen regionalen Smart-City-Ansatz.

Dortmund, Düsseldorf und Köln sind in unter 90 Minuten mit der Bahn zu erreichen, der Bahnhof liegt nur ein paar Schritte vom Coworking Space entfernt. In Hagen, mit seinen zahlreichen ICE-Verbindungen quer durch die Republik, seid ihr sogar in unter 30 Minuten. Nach Iserlohn, der größten Stadt des Märkischen Kreises (93.000 Einwohner) kommt ihr 2x pro Stunde mit Bus oder Bahn, die Fahrzeit liegt bei rund 20 Minuten.

Auf die Höhenlage der Burg über Altena bringt euch ein Aufzug, der vor wenigen Jahren in den Berg gebaut wurde. Etliche Waldwege führen über die umliegenden Hügel. Flusswanderer fahren auf der Lenne von West nach Ost durch Südwestfalen und Segelflieger starten und landen auf dem Hegenscheid über der Stadt.

Die Südwestfalen Agentur

Die Südwestfalen Agentur ist die zentrale Vertretung der fünf Kreise Südwestfalens nach innen wie nach außen und Partner des Summer of Pioneers in Altena. Erst 2008 gegründet, arbeiten hier 25 Mitarbeiter sehr erfolgreich als Impulsgeber und Vernetzungsstelle für eine gemeinsame Zukunftsvision ganz Südwestfalens.

Die Südwestfalen Agentur hat einen Schulterschluss der einzelnen Regionen geschaffen, der auch die Landesregierung Nordrhein-Westfalens beeindruckt. Zum zweiten Mal hat die Agentur die “REGIONALE” nach Südwestfalen geholt, ein Strukturprogramm des Landes, das über eine offene Beteiligung aller Bürger Ideen sammelt und gemeinschaftliche Modellprojekte vor Ort ermöglicht.

Die REGIONALE 2025 ist gerade gestartet und erste Projekte sind schon entstanden. Allen Pionieren steht offen, sich an dem Prozess oder einzelnen Projekten zu beteiligen.

Mehr Informationen zur REGIONALE 2025:

Der Coworking Space

Euer Coworking Space verteilt sich auf mehrere Ladengeschäfte in der gemütlichen Altenaer Einkaufsstraße, der “Lennestraße”. Nur ein paar Meter vom Fluss und dem Aufzug zur Burg entfernt, verteilen sich Räume für Besprechungen, konzentrierte Telefonate und Video-Calls. So können wir die unterschiedlichen Nutzungen entzerren, die in klassischen Coworking Spaces häufig in einem Raum konkurrieren müssen und so für Unruhe sorgen.

Die Wohnungen

Als Pionier wohnst du in hübschen Altstadtwohnungen, die sich über die Stadt verteilen aber allesamt nicht weit entfernt sind von den Coworking Spaces in der Lennestraße. Jedes Zimmer kostet pauschal 150€ pro Monat. In dieser „Flatrate“ ist alles enthalten: Eine möblierte Wohnung, inkl. Nebenkosten und Internet, sowie die Nutzung des Coworking Spaces.

Donnerstagvormittags belebt der Wochenmarkt die Innenstadt und zu Fuß erreichst du in wenigen Minuten von hier aus auch das legendäre Apollo-Kino, das seit 1924 in Altena besteht und mittlerweile ein Baudenkmal ist.

 

Die Bewerbung

Als Teilnehmer des Summer of Pioneers profitiert ihr von einem Rundum-Sorglos-Paket. Als Gegenleistung bitten wir euch um eure Kreativität. Zentraler Bestandteil der Bewerbung ist eure Vision für die Schwarzenstein-Brache als Impuls für Altena. Kreativität ist alles, eine erste Idee genügt. Vor Ort bekommt ihr dann die Chance, gemeinsam ein Konzept für einen Zukunftsort auf dem historischen Gelände zu entwickeln. Für die Umsetzung begleiten und vernetzen wir euch mit den Akteuren vor Ort. Die Südwestfalen-Agentur bietet Euch mit Angeboten für Ausflüge und Gespräche Verbindungen in die Region. Wenn die Entwicklung der Brache nicht euer Thema ist, könnt ihr euch gerne an den Projekten der REGIONALE orientieren. Wir sind offen für eure Ideen und freuen uns darauf.

Die Fragen im folgenden Bewerbungsformular helfen uns, euch kennenzulernen. Warum ist uns das schon jetzt wichtig? Weil wir es als unsere Aufgabe sehen, aus einzelnen Pionieren eine inspirierende Gemeinschaft zu formen.

Die Bewerbungsphase für den Summer of Pioneers 2021 in Altena hat noch nicht begonnen. Ihr könnt euch aber schon jetzt vormerken lassen und wir informieren euch, sobald es losgeht.